Wort zum Sonntag #6: Pray for Paris

An manchen Tagen fällt es schwer über Sport zu reden. Freitag, der 13. November 2015 war so ein Tag. In Paris lief zu diesem Zeitpunkt das Freundschaftsspiel Frankreich – Deutschland, live zu sehen in der ARD. Um 21 Uhr war Anpfiff, um 21:17 Uhr hörte man im Stadion eine Explosion in Form eines lauten Knalls. Über die Ausmaße, der Gesamtkatastrophe war man sich zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Heute Abend, fast zwei Tage nach den Terroranschlägen in Paris, sieht das schon anders aus. 

Stand Sonntagabend 20 Uhr: 132 Tote und mindestens 352 Verletzte sind die Bilanz der Terroranschläge in Paris. Der Abend des 13. November 2015 hat bei mir und vielen anderen Menschen vor allem eine Emotion ausgelöst: Sprachlosigkeit.

Andere Menschen hätten an diesem Freitagabend diese Emotion liebend gern geteilt. Beispielsweise das Fußball-Team der ARD um Matthias Opdenhövel und Experte Mehmet Scholl. Während dem Spiel sickerten immer weiter, Schreckensmeldungen aus Paris durch, die ARD blieb eisern und übertrug das Spiel bis zum Schlusspfiff. Wer dachte, nun schaltet die ARD zu einer Spezialausgabe der Tagesschau nach Hamburg, wurde eines besseren belehrt. Die ARD ließ Scholl und Opdenhövel im Stadion noch gut zwei Stunden weiter moderieren und schaltete nur ab und zu mal nach Hamburg. Die Perversion des Ganzen: Opdenhövel sollte einen Beitrag über Doping in Russland anmoderieren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt merkte man beiden Moderatoren an, wie sie um ihre Fassung rangen. Mit dem Druck, dass in unmittelbarer Nähe zu dir gerade Menschen gestorben sind und du trotzdem vor der Kamera souverän wirken sollst, kommen nur die wenigsten klar. Opdenhövel und Scholl bewiesen in dieser Situation Menschlichkeit und dafür ist den beiden, vollster Respekt zu zollen.

Die ARD hingegen hat mal wieder bewiesen, dass sie in Extremsituationen nicht in der Lage ist, eine schnelle Berichterstattung auf die Beine zu stellen. Nachhilfe gibt es gerne bei den Kollegen von ZDF, n-tv oder auch N24.

„The Games must go on“

Heute wurde dann bekanntgeben: Das Freundschaftsspiel der DFB-Elf am Dienstag gegen die Niederlande findet wie geplant statt. Für mich ein Zeichen gegen Gewalt und Terrorismus. Man darf der Gewalt und deren Tätern nicht weichen und ihnen den Triumph einer Absage schenken. Ganz sicherlich wird es für die deutsche Nationalmannschaft schwer werden, sich am Dienstag auf das Spiel gegen die Niederlande zu konzentrieren. Eines steht vorab aber fest: Das Ergebnis wird nebensächlich sein. Oder kann sich noch jemand an das Ergebnis vom Freitagabend erinnern?

In knapp einem Jahr soll in Frankreich die Fußball-Europameisterschaft stattfinden. Gerade in Frankreich, das aktuell schwer verwundet ist und eine ganze Weile brauchen wird, sich vom Schock der Ereignisse zu erholen. Jetzt sollte man nichts unversucht lassen, hier im kommenden Jahr die Europameisterschaft auszutragen. Eine freie Gesellschaft darf sich von den Trägern der Gewalt nichts aufdiktieren lassen. Nicht nur Frankreich, sondern ganz Europa, muss in dieser schweren Stunde zusammenhalten. Sonst steht die Gewalt und der Terrorismus am Ende als Gewinner da.

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